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Vom Datum zum Dossier (TELEPOLIS). Wie der Mensch mit seinen schutzlosen Daten in der Informationsgesellschaft ferngesteuert werden kann


Astrid Auer-Reinsdorff / Joachim Jakobs / Niels Lepperhoff
181 Seiten, Broschur
Erscheinungsjahr: 2011
ISBN: 978-3-936931-70-9
Verlag: dpunkt.verlag


Kurzbeschreibung:
Täglich gehen personenbezogene Daten verloren. Je mehr Daten eines Menschen durch Behörden, Ärzte und viele anderen Dienstleister on- und offline bekannt werden, desto transparenter wird der Betroffene. Sind zusätzlich Bildungsstand, (Erb-)anlagen, Ernährungs-, Lebensgewohnheiten und Lebensstandard, Freunde, Interessen, Musikgeschmack, (sexuelle) Neigungen und soziale Herkunft bekannt, ist der Betroffene nicht nur Kriminellen ausgeliefert, sondern Staat und Wirtschaft können zusätzlich Prognosen erstellen:
- Begeht Thomas morgen einen Terroranschlag? - Raubt Susanne demnächst die Sparkasse aus? - Hat Stefan bei der Steuererklärung geschummelt? - Ist Sabines Lebenswandel so ungesund, dass sie für die Krankenkasse zu teuer wird? - Welchen Preis sind die Müllers für ihr neues Auto zu zahlen bereit?

Datentechnisch droht der Mensch von Einzelhändlern, Facebook, Finanzdienstleistern, dem Fiskus, Google, Krankenkassen, Kriminellen und Strafverfolgern „ausgeschlachtet“ zu werden. Jeder Einzelne ist deshalb auf die Diskretion derer angewiesen, denen er seine Daten anvertraut, und aufgerufen, über die allzu freimütige Preisgabe seiner Daten stärker zu reflektieren.

Auch die Kommunen müssen den Identitätsdiebstahl verhindern statt ihn zu befördern!
Wer den Namen und das Geburtsdatum eines Dritten kennt, kann auf dessen Rechnung bei wmf.de und vielen anderen Online-Händlern einkaufen gehen. Die Ware geht an eine fingierte Adresse, die Rechnung wird letztlich per Inkasso-Unternehmen dem echten Dritten präsentiert. Betroffene berichten, sie hätten 800 Arbeitsstunden (das heißt: ein halbes Jahr!) und „Zehntausende“ in einen Anwalt investiert, um ihren guten Ruf wiederherzustellen [1]. Das beschriebene Phänomen wird als „Identitätsdiebstahl“ bezeichnet und gern – da risikoarm – von der organisierten Kriminalität betrieben. In den USA haben bereits 10 Prozent der Bevölkerung damit Bekanntschaft gemacht. Besonders interessant scheinen den Tätern Personen mit einem Einkommen über 70.000 Dollar zu sein [2].

Nun ist der Bürger hierzulande verpflichtet, zahlreichen staatlichen Organisationen seine Daten anzuvertrauen. Vor diesem Hintergrund wirkt es absurd, daß zum Beispiel die Kommunen (qua Gesetz! [3]) selbst mit den Daten des Bürgers Handel treiben: Die Meldebehörden des Landes Berlin nehmen so über 3 Millionen Euro jährlich ein [4]. Im Landkreis Bad Hersfeld-Rotenburg wollten sich die Täter auch diese Investition schenken und stahlen gleich 10 Verwaltungs-Server [5].

Das Buch beschreibt, wie die Sammler an die Daten kommen und sie zu Personen-Dossiers zusammensetzen. Die juristischen Konsequenzen werden für Laien anschaulich erläutert.

[1] http://www.krankenkassen-direkt.de/news/news.pl?val=1309426484&news=285728716
[2] http://www.spendonlife.com/guide/identity-theft-statistics
[3] http://www.gesetze-im-internet.de/mrrg/__21.html
[4] http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-verdient-am-adressenhandel/1950764.html [5] http://www.heise.de/tp/artikel/34/34497/1.html
(Quelle: dpunkt.verlag)


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